16. Apr, 2017

Hoffnungsland – von Kristín Steinsdóttir, C. H. Beck

 

 

Als der Landvogt Gudfinna und Jonasina zu mehreren Monaten Zwangsarbeit verurteilt, marschiert ein Bote in den Gerichtsaal und richtet Grüße von den abwesenden Verurteilten aus. Sie seien letzte Nacht mit Stonehills Pferdeschiff nach Schottland aufgebrochen, in ihr neues Hoffnungsland... Angeklagt waren die beiden jungen Frauen wegen einer Reihe von Diebstählen aus dem seit vielen Jahren verlassenen Bischofshaus: feine Laken und Decken, Nachttöpfe mit Rosenmuster.

In ihrem neuen historischen Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht, erzählt die isländische Autorin die Geschichte einer Handvoll starker Frauen, die sich Ende des 19. Jahrhunderts den patriarchalen und gesellschaftlichen Strukturen ihres kleinen Landes entgegen stellen und den Kampf um ein besseres Leben nicht aufgeben. Ihr Alltag und Überleben sind schwer genug, der Traum von einer Anstellung in gutem Hause ist schnell verflogen, die Frauen arbeiten als Tagelöhnerinnen, schleppen Kohlen oder Bottiche mit schmutziger Wäsche, die sie in den heißen Quellen säubern. Als sich da eines Tages die Chance auf einen zusätzlichen Verdienst ergibt, greifen sie zu. Für eine Daunendecke, eine Petroleumlampe, Kohlen zum Heizen, geräucherte Rippchen fürs Sonntagsessen. Nur hält die gute Zeit nicht lange an, Island ist in diesen Jahren für sie kein Hoffnungsland. Steinsdóttir beschreibt dieses Leben eindringlich, anschaulich, ungeschönt und voller Warmherzigkeit. Man wird sofort solidarisch mit diesen starken und mutigen Frauen. Sie haben sich ein Hoffnungsland verdient!