7. Mai, 2017

Alles, was folgte – von Renate Ahrens, Droemer

 

Katharina Elbracht ist 44, ihr Beruf als Fotografin in Krisenregionen und Kriegsgebieten eine Herausforderung, ihre Beziehung zu Sohn Thorsten, der Politikwissenschaften studiert, eher spröde und sprachlos, ihre Beziehung zu ihrem Freund Lars eher schwierig. Als ein Brief von Manfred Thiele aus Ostberlin eintrifft, ist Katharinas Leben plötzlich auf den Kopf gestellt. Nichts ist mehr an seinem richtigen Platz. Manfred Thiele hat ihr aus dem Nachlass Briefe ihrer verstorbenen Mutter geschickt. Und so erfährt Katharina, dass nicht Maria ihre Mutter ist, sondern deren Schwester Ingrid. Manfred Thiele ist einer ihrer Halbbrüder. Ihre Tante Maria und ihr Onkel haben Katharina Ende des Krieges adoptiert, von ihrem richtigen Vater erfährt sie nur, dass er Oskar heißt. Katharina hat einen Auftrag in Äthiopien, wo sie unter anderem fotografiert, wie zwei winzige tote Babys vom Straßenrand mit der Schaufel auf einen LKW geladen werden – ein erschütterndes Bild, das später in Katharinas großer Ausstellung gezeigt werden wird. Wieder zurück in Hamburg, beginnt sie mit der Spurensuche, und es gelingt das Wunder, die Geschichte einer großen Liebe, step by step wie ein Puzzle zusammen zu fügen. Ingrid und Oskar, Katharinas Eltern, tanzten Swing im Alsterpavillon, beide noch sehr jung. Oskar muss an die Front, Ingrid, gerade 17, die Eltern in einer Bombennacht gestorben, wird schwanger. Ihre Vertraute war immer ihre ältere Schwester Maria. Mit großer Empathie, ohne Pathos erzählt Renate Ahrens diese deutsche Familiengeschichte zwischen Zweitem Weltkrieg und Mauerfall. Von zwei Schwestern, die die Mauer trennte und einer Liebe, die der Krieg zerstörte. Man ist berührt, hofft und bangt mit und denkt an die vielen  auseinander gerissenen Familien, die sich nicht mehr fanden und kaum etwas von den Geschehnissen wussten. Katharina schafft es, das Familien-Puzzle zu lösen. Sie findet ihren Vater in Irland. Oskar schaut die Fotografien seiner Tochter an und erkennt: „Vieles von dem, was Katharina fotografiert hat, erinnert ihn an seine Erfahrungen im Krieg und in der Gefangenschaft. Es ist, als ob seine Tochter all die Jahre etwas von ihm in sich getragen hätte.“