31. Mai, 2017

Dorthe Nors: Rechts blinken, links abbiegen, Kein&Aber

Sonja ist keine moderne Heldin. Im Gegenteil, ihr Leben läuft überhaupt nicht rund. Sie ist 42, Übersetzerin der beliebten Gösta Svensson-Krimis, deren sinkendes Niveau ihr Sorge bereitet. Ihr größtes aktuelles Problem ist allerdings dieser Führerschein, an den sie sich gewagt hat. Die Theorie hat sie bestanden, doch bei Jytte, ihrer neurotischen Fahrlehrerin, wird sie niemals richtig schalten lernen. Ansonsten verspannt sich ihr Nacken, sobald ein Mann auftaucht, der der Richtige sein könnte. Und Sonja leidet, weil sich ihre Schwester am Telefon verleugnen lässt.So gerne würde sie mit ihr über früher sprechen, ihre Sehnsucht nach den Singschwänen und dem Land ihrer Kindheit. Stattdessen schreibt sie Kate einen Brief, den sie nicht abschickt und bricht auf zu einem Friedhofs-Ausflug – mit Picknickdecke, Kaffee und Keksen, schnuppert den Duft von Eibe und Buchsbaum und genießt die Stille. Die dänische Autorin Dorthe Nors beschreibt ihre Heldin auf ihrem Weg zu Selbstfindung und Standortbestimmung sehr behutsam, ehrlich und liebevoll. „Irgendetwas in deinem Leben schwankt. Etwas, das nicht weiß, auf welchem Bein es stehen soll“, sagt Ellen, die Sonjas Rücken massiert. Oft traut sich Sonja nicht, manchmal wird ihr schwindlig. Sonjas Seelenleben liegt aufgeblättert vor uns, manche Szene steckt voller Situationskomik, viele sind wunderbar poetisch.Und es ist so tröstlich, dass man es von Seite zu Seite immer mehr spürt: Diese Sonja, geprägt von Eigensinn und Emotion wird am Ende des Buches wissen, wie und wo sie ihr Leben leben will.