3. Okt, 2017

Willi Achten: Nichts bleibt, Pendragon

Das große Thema Willi Achtens sind die Wut und die Empörung und der drängende Wunsch nach Rache. Es ist die Empörung über die enthemmte Brutalität in der Welt, die ihn schließlich eingreifen lässt.

Die Hauptfigur Willi Achtens ist Franz Mathys, ein Kriegsfotograf. Seine Fotos sind in der Welt bekannt, das Foto einer Steinigung wurde mit dem World Press Photo Award ausgezeichnet. Doch Mathys hat tiefe Zweifel und Schuldgefühle, spürt, dass sein Leben ihm mehr und mehr entgleitet. Er zieht sich auf einen abgeschiedenen Hof im Wald zurück. Lebt dort mit seinem Vater und seinem Sohn, kommt zur Ruhe und verliebt sich. Doch die Idylle trügt.

Eines Nachts schlagen zwei Männer seinen Vater brutal nieder, er muss schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Mathys will die Täter finden, sein Wunsch nach Rache wird immer stärker, vor allem, als er dem Thema „Thrill Art“ , kaltblütigen, grausamen Taten an Menschen und Tieren, die von eben solchen grausamen und kaltblütigen Tätern gefilmt werden, auf die Spur kommt.

Zwei Zitate:

Etwas kroch um mich herum, es hockte in den Bäumen,

der Fluss war fahl, die Wiese stumpf. Etwas saß am Küchentisch,

am Bett, eine Furcht und eine Macht, die zu uns

vorgedrungen waren, die Teil des Lebens zu sein schienen,

nicht nur in Somalia, nicht nur auf den Schlachtfeldern.

Ich hatte gedacht, mich verstecken zu können. Viele Jahre

war es gelungen...“ Und:

„Die wenigsten ertragen dauerhaft den Horror der

Kriege und Bürgerkriege. In uns bleiben die Dämonen zurück und die Bilder der Angst. Es ist, als ob du das Leid der Menschen, die du fotografiert hast, mit dir trägst. Niemand bleibt, der er war.“

Ein ungewöhnliches Buch, aufregend und oft auch verstörend, es zieht einen in einen Strudel, dem man sich nicht entziehen kann, und immer findet der Autor dafür wunderbare Worte in intensiver, kraftvoller Sprache.