15. Mrz, 2018

Der weiße Affe – von Kerstin Ehmer, Pendragon

Der junge Kommissar Ariel Spiro ist verwirrt. Gerade ist er aus der Provinz, aus Wittenberge, in Berlin angekommen, da wird ihm schon der erste Tote präsentiert: Ein jüdischer Bankier ist erschlagen im Hausflur aufgefunden worden. In der Wrangelstraße hat er regelmäßig seine Geliebte besucht, eine blonde Walküre, Fräulein Hilde. Wir befinden uns im schillernd-brodelnden Berlin der Weimarer Republik. Eine politische Ära mit den Vorboten des Nationalsozialismus, in einer Stadt, getrieben vom schnellen Rhythmus und im Rausch eines exzessiven Berliner Nachtlebens. War es ein politischer Mord?

Spiro ermittelt natürlich auch in der exzentrischen Familie des Bankiers, dessen schöne Tochter seine Verwirrung vervielfacht. Kerstin Ehmer schildert diese Szenerie sprachlich und dramaturgisch überzeugend. Vor allem ihr zweiter Erzählstrang über den jungen Alexander, der von seiner Mutter, einer hochbegabten Kostümbildnerin, wie ein Sklave gehalten wird und immer mehr in eine Parallelwelt abdriftet, ist faszinierend. Zitat: „ Mal gestreichelt, mal geschmückt, aber auch vernachlässigt, unter Drogen gesetzt und gequält. Seine Wirklichkeit war so schrecklich, dass er sich bei den Kopfjägern der Südsee eine neue erträumt hat...“

Kerstin Ehmer ist ein erstaunliches Debüt gelungen, hochspannend in Handlung und dem zeitgeschichtlichem Hintergrund der sogenannten goldenen Zwanziger – und ihren Kommissar hat sie mit so viel Empathie, Intuition und zähem Durchhaltevermögen ausgestattet, dass man an seiner Seite gern in einen Lese-Sog verfällt. Ein „absolutes Krimi-Schätzchen“ war in einer Rezension nachzulesen. So ist es.