15. Mrz, 2018

Assaf Gavron: Achtzehn Hiebe, Luchterhand

Alles beginnt mit zwei Liebesgeschichten. Zwischen Edward und Lotta und James und Ruti – zwei verbotene Lieben, denn die beiden Männer sind britische Soldaten der Mandatsregierung im Palästina des Jahres 1946, die beiden Mädchen Jüdinnen.

Assaf Gavron blickt zurück auf eine Geschichte aus der Gründungszeit des Staates Israel und geht dabei besonders auf die Rolle der britischen Besatzer im damaligen Palästina ein. Geschickt, klug und unterhaltsam verknüpft er dabei das Geschehen damals mit dem heutigen Leben des Taxifahrers Eitan (genannt das „Krokodil“) in Tel Aviv. Eitan hat innerhalb einer Woche drei Terroranschläge überlebt und wurde kurzfristig berühmt. Eines Tages bekommt er von einer alten Dame den Auftrag, sie täglich vom Altenheim abzuholen und zum Friedhof zu fahren. Auf ihren Fahrten erzählt sie Eitan von ihrer großen Liebe zu dem britischen Soldaten, den sie gerade begraben hat, und über das Leben in Palästina kurz vor der Gründung des Staates Israel.

Die alte Dame ist Lotta, Eitan ist von ihrer Geschichte beeindruckt. Als Lotta kurze Zeit später spurlos verschwindet, angeblich im Altenheim gestorben sein soll, ist Eitans detektivischer Spürsinn geweckt. Er will herausfinden, was geschehen ist, jetzt, mit Lotta und damals in Haifa. Hatte Lotta ihn nicht Tage zuvor noch gebeten, Edwards plötzlichen Tod in Tel Aviv zu untersuchen – vielleicht war es doch Mord, der das alte Paar, das sich nach Jahrzehnten wiedergefunden und versöhnt hatte, nun wieder auseinander gerissen hatte.

Eitan ruft seinen alten Kumpel Bar an, die beiden steigen in den „Fall“ ein und dröseln einen Polit- und Beziehungskrimi auf: drei Todesopfer, mehrere Verdächtige, spannend aufbereitet, weil Gavron Vergangenheit und Gegenwart wie ein kniffliges Puzzle allmählich zusammensetzt.

„Wir haben bei diesem Quartett gesehen, wie stark die Gefühle sind, die sie angetrieben haben – diese Hiebe mit der Peitsche haben nie aufgehört, ihnen auf dem Hintern zu brennen...“ resümiert Bar auf den letzten Seiten. Denn auch die titelgebenden „Achtzehn Hiebe“, mit denen die beiden jungen Briten 1946 gedemütigt wurden, geschahen letztendlich aus Liebe.