17. Okt, 2018

Bernard MacLaverty: Schnee in Amsterdam, C.H. Beck

Gerry und Stella Gilmore, ein miteinander alt gewordenes Paar aus Glasgow, hat einen Kurztrip nach Amsterdam gebucht. Ein bisschen Abwechslung vom eintönigen Alltag soll es sein, ein bisschen Aufmunterung ihrer Beziehung. Sie kennen sich schon so lange mit all ihren Gewohnheiten und Macken. Stella verfolgt noch einen eigenen Plan, den sie aber erst einmal vor Gerry verbirgt – so wie Gerry täglich bemüht ist, seine Lust an einem weiteren guten Whisky zu verheimlichen.

Bernard MacLaverty schildert diese in die Jahre gekommene Liebe der Gilmores sehr detailreich, aufrichtig und einfühlsam. Ein intimes Porträt, der Leser erfährt sehr genau, was Gerry und Stella denken, fühlen und sich wünschen – und was sie voneinander halten. Und in Amsterdann reden sie endlich mal wieder offen miteinander. „Ich bin müde. Ich bin des Lebens müde, so wie wir es führen“ , sagt Stella und ergänzt: „ ich möchte ein gottesfürchtiges Leben führen...“

Stella träumt von einem Rückzug in den klösterlichen Beginenhof, deshalb wollte sie nach Amsterdam. Aber das wäre ein Leben ohne Gerry. „Wo stehen wir“? fragt er. Stellas Antwort: „An verschiedenen Orten.“

 Stella hat ein Gelübde getan, in Belfast, Anfang der Siebziger Jahre, Nordirlandkonflikt. Die hochschwangere Stella liegt blutend auf dem Bürgersteig. Zufälliges Opfer eines Anschlages. „Herr, lass mein Kind leben“, betet sie. Über ihr Gelübde hat Stella nie gesprochen.

 Amsterdam hat dem Paar gut getan. Gerry ist es wieder bewußt geworden. Zitat: „Für ihn war Stellas Gegenwart so wichtig wie die Welt... Wenn sie ein Beweis für das Gute in dieser Welt war, dann war es Wunder genug, an ihrer Seite durchs Leben zu gehen.“Gibt es eine schönere Liebeserklärung nach vierzig Jahren Ehe?