3. Jun, 2021

Sadie Jones: Die Skrupellosen, Penguin

Dan hat den ganzen Tag im Büro gesessen und dabei das Gefühl gehabt, „von innen zu verfaulen.“ Er hat mal Kunst studiert, inzwischen aber verstaubt die Mappe mit seinen Arbeiten unter dem Bett. Seitdem er mit Bea verheiratet ist, verdient er sein Geld als Immobilienmakler, ein Job, den er hasst. Dan träumt von einem anderen Leben, im Gegensatz zu Bea, die als Psychotherapeutin glücklich ist, wenn sie einem Menschen helfen kann. So ist die Stimmungs- und Ausgangslage in Sadie Jones neuem Roman, der harmlos beginnt und unterschwellige Frustationen erst einmal unterdrückt.

Das Paar beschließt, eine kleine Auszeit zu nehmen, das bescheidene Londoner Apartment zu vermieten, ein altes Auto zu kaufen und Richtung Frankreich zu reisen. Man könnte als erstes Beas Bruder Alex besuchen, der in Burgund ein Hotel führt. Von Beas Familie weiß Dan wenig, er hat die Eltern nur kurz kennen gelernt, sie sollen wohlhabend sein. Bea pflegt keinen Kontakt zu ihnen und verschließt sich allen Nachfragen.

Erst in Burgund, in dem heruntergekommenen Hotel des Bruders, wird offenbar, was Beas Familie überschattet, zerstört und alle in einen gefährlichen Bann zieht: die dunkle Seite des Geldes, die Macht und die Abhängigkeit, die damit einher gehen. Als Dan erfährt, dass sein Schwiegervater einer der reichsten Männer Londons ist, verändern sich seine Sichtweisen, seine Gedanken und auch das Verhältnis zu seiner Frau. Warum hat sie ihn in ein ärmliches Dasein gezwungen, ohne die Situation mit ihm zu besprechen?

Auch Beas Eltern tauchen überraschend in Burgund auf, und nach und nach enthüllen sich die Hintergründe und Abgründe einer Familientragödie, die den dunklen Spannungsroman voran treiben. Exzentrik, Dekadenz, Demütigung und Machtmißbrauch sind auszuhalten. Und dennoch scheint der Sog des Geldes alles zu überbieten.

Alex, der verstörte, haltlose Bruder, einer, der lebenslang Opfer war, ist ermordet worden. Ein Autounfall sollte die grausame Tat vertuschen. Nun ermittelt die französische Polizei. Die Szene wird zunehmend beklemmender, gefährlicher, und der Schrecken ist noch lange nicht vorbei. Es bleibt brisant bis zur letzten, 457. Seite.