2. Apr, 2016

Im Frühling sterben – von Ralf Rothmann, Suhrkamp

Im Frühling sterben ist die Geschichte von Walter und Friedrich – »Fiete« – , zwei siebzehnjährigen Melkern aus Norddeutschland, die im Februar 1945 zwangsrekrutiert werden. Während man den einen als Fahrer in der Versorgungseinheit der Waffen-SS einsetzt, muss der andere,Fiete, an die Front. Er desertiert, wird gefasst und zum Tod verurteilt, und Walter, der bei dem Sturmbannführer für Fiete um Gnade bittet, wird stattdessen von diesem Zyniker in das Erschießungskommando befohlen und steht nun mit dem Karabiner im Anschlag vor seinem besten Freund ... Walter wird sein ganzes Leben nicht über dieses grausame Erlebnis hinwegkommen. Wie soll er der Verlobten von Fiete, noch in die Augen schauen? Im Frieden wird er nicht mehr heimisch. Noch auf dem Sterbebett stöhnt er: »Die kommen doch immer näher, Mensch! Wenn ich bloß einen Ort für uns wüsste ...«
»Selten wurden Barbarei und Grausamkeit des Krieges so radikal und bezwingend dargestellt wie in diesem Roman. Selten nutzte die Literatur ihre Mittel auf so meisterliche Weise, um die moralisch-psychische Verelendung von Soldaten zu durchdringen. Atemberaubend ist hier nicht nur Ralf Rothmanns poetische Brillanz, sondern auch die humane Empathie, die er für Walters Tragödie aufbringt …« befand Ursula März, Deutschlandradio Kultur