3. Apr, 2016

Altes Land – von Dörte Hansen, Knaus

„Polacken" schimpft Ida Eckhoff, Bäuerin im Alten Land, als 1945 Flüchtlinge aus Ostpreußen auf ihrem Hof stehen. Die kleine Vera muss mit ihrer Mutter in die kalte Knechte-Kammer. Ihr Leben lang fühlt Vera sich fremd in diesem großen, abweisenden Bauernhaus und kann trotzdem nicht davon lassen. 60 Jahre später zieht ihre Nichte zu ihr auf den Hof. Beide – Vera, die eigenwillige Zahnärztin, und Anne, die verkrachte Musikerin – leiden am Leben. Fühlen sich nirgends zugehörig, kämpfen mit der Vergangenheit. Erst als sie beginnen, das Haus zu renovieren, geraten die Dinge in Bewegung... Ein vielschichtiger, einfühlsamer und bewegender Roman. Das alte Bauernhaus im Alten Land wird zur Heimat von Geflüchteten, wir erleben eine packende Nachkriegsgeschichte und die Geschichte unangepasster Frauen, eine Geschichte, die langsam in Bewegung gerät, nachdem die Frauen beginnen, miteinander über dass Geschehene zu reden und dabei das alte Haus renovieren.
Es braucht wohl Jahrzehnte, um die Vergangenheit zuzulassen und posttraumatische Störungen zu offenbaren. Die ZEIT beschrieb das so: Gemeinsam entwickeln die Frauen eine neue Kraft, die sie weiterträgt. Darin liegt die besondere Kunst der Autorin, sie schildert lädierte Seelen, die sich gegenseitig auf ihre Art helfen und ein Stück weit heilen.