5. Dez, 2017

Ein Festtag – von Graham Swift, dtv

„Sie lag ausgestreckt auf dem Bett, nackt, von einem Paar sehr billiger Ohrringe, ihrem einzigen Paar abgesehen. Sie hatte nicht das Laken über sich gezogen. Sie hatte sogar die Hände hinter dem Kopf verschränkt, um ihn besser ansehen zu können. Und er konnte sie ansehen...“ Ein Märzsonntag, 1924. Paul, der Familienerbe und Jane, das Dienstmädchen des nachbarlichen Anwesens, haben schon länger ein Verhältnis, an diesem Sonntag wird sich alles ändern. Nie mehr wird es einen solchen Tag für sie beide geben. Nicht nur, weil Paul in ein paar Wochen standesgemäß Miss Hobday heiraten wird.

Für Jane beginnt eine neue Zeit, sie hat das Glück gehabt, die Bücher aus der Bibliothek von Beechwood lesen zu dürfen. Längst ist ihr Vokabular nicht mehr das eines Dienstmädchens. Später, als es ihr Beruf wird, sich mit Wörtern auseinanderzusetzen, später, als sie immer wieder danach gefragt wird, wie es denn angefangen hat mit ihrer Leidenschaft für die Schriftstellerei, antwortet Jane Fairschild: „Ich bin Waise, ich kenne weder Vater noch Mutter noch meinen richtigen Namen. Und das – ein leeres Blatt zu sein – erscheint mir die beste Voraussetzung für einen Schriftsteller – besonders für einen Geschichtenerzähler...“ Eine wunderbare Entfaltung und Entwicklung. Jane Fairchild wird über 90 und schreibt 19 Romane: „Es ging darum, dem, was das Leben ausmachte, treu zu sein.“ „Ein Festtag“ oder „Mothering Sunday, in 17 Sprachen übersetzt, gilt als herausragendes Werk des englischen Schriftstellers Graham Swift, es sind 142 mitreißende, schillernde Seiten über eine sehr besondere Frau.