Schau auf das Blau des Himmels

29. Mai, 2018

glücklich

die ihr betrunken sein könnt

vom blau des himmels!

 

möge

der rauschtrank

nie mangeln

und süffig ein leuchtvorrat

auch unter finstergewölk

aus schuh und angel

euch heben

 

trinkt blau

trinkt nicht kummer!

 

Aus: blaue gedichte, reclam

16. Nov, 2017

maulfaul hocken die häuser

in zugeknöpften kapuzen

vor ihrem eignen schatten, 

der violett zu abend geht.

auf unwirtlichen Flächen

wildert der frost,

schlägt sich ins holz, ins fleisch.

eingeschworen auf der weißnäher gleißendes weiß,

tagt der notorische krähenkongreß.

ein schneepflug kursiert,

sachlich schiebt er beiseite

des winters sentimentale schönfärberein.

Wulf Kirsten (aus: Der erste Frost kommt unverlangt, Aufbau)

19. Sep, 2017

Der Mensch, so als weiser Narr,

ist wundersam, wenn nicht bizarr.

Ein solch klares Phänomen

habe ich noch nie gesehen.

Cogito ergo sum.

Mensch bleibt Mensch

und dumm bleibt dumm.

Klugheit ist absonderbar.

Nun sehe ich es sonnenklar:

Mensch bleibt Mensch

und klug bleibt rar.

Friedrich von Roth

30. Aug, 2017

Im Nebel ruhet noch die Welt,

noch träumen Wald und Wiesen;

bald siehst du, wenn der Schleier fällt,

den blauen Himmel unverstellt,

herbstkräftig die gedämpfte Welt

in warmem Golde fließen.

Eduard Mörike

(1804 - 1875), deutscher Erzähler, Lyriker und Dichter

22. Feb, 2017

Mit der Zeit lernst du,

dass eine Hand halten nicht dasselbe ist

wie eine Seele fesseln.

...

Du lernst allmählich,

dass Küsse keine Verträge sind

und Geschenke keine Versprechen.

Und du beginnst,

deine Niederlagen erhobenen Hauptes

und offenen Auges hinzunehmen

mit der Würde des Erwachsenen,

nicht maulend wie ein Kind. 

...

Also bestell' deinen Garten

und schmücke selbst dir

die Seele mit Blumen,

statt darauf zu warten,

dass andere dir Kränze flechten.

Und bedenke,

dass du wirklich standhalten kannst...

und wirklich stark bist

und dass du deinen eigenen Wert hast.

Von Kelly Priest (gekürzte Fassung)