Schau auf das Blau des Himmels

31. Okt, 2018

von Matthias Politycki

  Manchmal ist es

an einem Sonntag nachmittag

so still, dass der Tag

einen Riss bekommt. Dann

hebst du den Kopf

aus deinen Papieren und

kannst es mit einem Mal hören:

das Rauschen der Zeit

hinter dem Licht

und den Dingen. Doch

wie du den Kopf

leicht schräg legst

und die Hand hinters Ohr,

da schliesst sich der Riss

schon wieder.

  Aus:

Sämliche Gedichte

2017- 1987

Hoffmann und Campe

29. Mai, 2018

glücklich

die ihr betrunken sein könnt

vom blau des himmels!

 

möge

der rauschtrank

nie mangeln

und süffig ein leuchtvorrat

auch unter finstergewölk

aus schuh und angel

euch heben

 

trinkt blau

trinkt nicht kummer!

 

Aus: blaue gedichte, reclam

16. Nov, 2017

maulfaul hocken die häuser

in zugeknöpften kapuzen

vor ihrem eignen schatten, 

der violett zu abend geht.

auf unwirtlichen Flächen

wildert der frost,

schlägt sich ins holz, ins fleisch.

eingeschworen auf der weißnäher gleißendes weiß,

tagt der notorische krähenkongreß.

ein schneepflug kursiert,

sachlich schiebt er beiseite

des winters sentimentale schönfärberein.

Wulf Kirsten (aus: Der erste Frost kommt unverlangt, Aufbau)

19. Sep, 2017

Der Mensch, so als weiser Narr,

ist wundersam, wenn nicht bizarr.

Ein solch klares Phänomen

habe ich noch nie gesehen.

Cogito ergo sum.

Mensch bleibt Mensch

und dumm bleibt dumm.

Klugheit ist absonderbar.

Nun sehe ich es sonnenklar:

Mensch bleibt Mensch

und klug bleibt rar.

Friedrich von Roth

30. Aug, 2017

Im Nebel ruhet noch die Welt,

noch träumen Wald und Wiesen;

bald siehst du, wenn der Schleier fällt,

den blauen Himmel unverstellt,

herbstkräftig die gedämpfte Welt

in warmem Golde fließen.

Eduard Mörike

(1804 - 1875), deutscher Erzähler, Lyriker und Dichter