Schau auf das Blau des Himmels

17. Okt, 2016

Ruckweise bewegen sich die Menschen
durch die Stadt,
die Teuerungsrate ist wieder gestiegen,
Häuser, die Hafenanlagen, Brandreste
befinden sich in verschiedenen Schwingungen.
Eine Gedankenlosigkeit genügt,
schon ist Leben unterbrochen.
Unter einem Himmel,
der sich unablässig neu baut,
bleibt der Wunsch nach Zärtlichkeit,
ich werde dich gleich anrufen.

Aus: Walter Helmut Fritz: Herzschlag/ Die Liebesgedichte (Hoffmann und Campe)

22. Mai, 2016

Obwohl unsere Städte ständig versuchen
uns den Himmel vertrauter zu machen
indem sie Aussichtspunkte
Balkone Terrassen bereitstellen
Obwohl sie behaupten man sehe von oben
den womöglich zärtlichsten
Punkt im All
eine übergroße Murmel mit blauem Zentrum
und sie uns Treppen und Aufzüge hochlocken
uns die Sicherheiten zeigen
Geländer und Netze
die Schönheit
der Leuchtreklamen
Laster so klein daß wir uns selber
riesig vorkommen
Obwohl wir vom Lärm da unten
fast schon betört sind
hören wir manchmal das Flüstern der Dörfer
und manchmal glauben wir etwas davon
und springen
wie Supermann
(aus: Der Tag an dem die Möwen zweistimmig sangen, Schöffling Verlag)

Von Silke Scheuermann
19. Feb, 2016

meine flügel ließ ich dir

du rupftest sie

für unser daunenbett

nun träume ich nachts

vom fliegen 

 

Doris Runge:

Jagdlied

DVA

30. Jan, 2016

Mit deinen Augen
seh ich den Mittag,
ganz aus der Nähe,
seine Benommenheit.

Mit deinen Ohren
hör ich das Meer,
hör es sich nähern
und schwinden.

Mit deiner Hand
fühl ich den Stein,
suche ihn zu verstehen.

Aus:
Herzschlag
Die Liebesgedichte
von Walter Helmut Fritz
Hoffmann und Campe

23. Jan, 2016

Schluß damit,

daß ich Dir nie

begegnet bin.

 

Schluß mit den Männergeschichten

zwischen Mann und Frau

Schluß damit!

 

Diese kleine klägliche Angst,

die Ihr Liebe nennt,

Schluß damit!

 

Für eine große Liebe

braucht es zwei Einzelgänger

und ein Gebet.

 

Sei meines,

wenn die Liebenden schlafen

und in den Häusern die Stille steht.

 

Dann komm, dann geh!

Tu beides mit der Heftigkeit

eines Sommergewitters.

 

Aus: Wolf Wondratschek

Liebesgedichte

(Diogenes Verlag)