• Des Morgens

    Johann Christian Friedrich Hölderlin (geboren 1770, gestorben 1843): Er war ein deutscher Dichter, Übersetzer, Philosoph, Hauslehrer und Revolutionär und zählt zu den bedeutendsten Lyrikern seiner Zeit. In diesem Jahr jährt sich der Geburtstag von Friedrich Hölderlin zum 250. Mal. Die Ode „Des Morgens“ dichtete er 1799.

  • Vom Taue glänzt der Rasen; beweglicher
    Eilt schon die wache Quelle; die Buche neigt
    Ihr schwankes Haupt und im Geblätter
    Rauscht es und schimmert; und um die grauen
     
    Gewölke streifen rötliche Flammen dort,
    Verkündende, sie wallen geräuschlos auf;
    Wie Fluten am Gestade, wogen
    Höher und höher die Wandelbaren.
     
    Komm nun, o komm, und eile mir nicht zu schnell,
    Du goldner Tag, zum Gipfel des Himmels fort!
    Denn offner fliegt, vertrauter dir mein
    Auge, du Freudiger! zu, solang du
     
    In deiner Schöne jugendlich blickst und noch
    Zu herrlich nicht, zu stolz mir geworden bist;
    Du möchtest immer eilen, könnt ich,
    Göttlicher Wandrer, mit dir! - doch lächelst
     
    Des frohen Übermütigen du, daß er
    Dir gleichen möchte; segne mir lieber dann
    Mein sterblich Tun und heitre wieder
    Gütiger! heute den stillen Pfad mir.



    Zwei Buchtipps:
    Friedrich Hölderlin: Gedichte (Reclam);
    Hölderlin: Komm! ins Offene, Freund!
    Biographie von Rüdiger Safranski
    (Hanser)