• Paul Celan im Jubiläumsjahr

    Paul Celan (1920-1970, eigentlich Paul Antschel), wurde 1920 als Sohn deutschsprachiger, jüdischer Eltern im damals rumänischen Czernowitz geboren. Er gilt als einer der bedeutendsten Lyriker der deutschen Sprache nach dem 2. Weltkrieg. Als er im Jahr 1948 sein Gedicht „Corona“ schrieb, war die „Corona“, der Kranz, die Krone, die dem Virus seinen Namen gab, der Menschheit noch nicht bekannt. Paul Celans „Corona“ wird auch als ein Gedicht interpretiert, in dem er seine Zuneigung zu der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann ausdrückt, die er 1948 in Wien kennengelernt hatte. Meinte Celans “Corona“ einen Brautkranz? 


    Corona
    Aus der Hand frißt der Herbst mir sein Blatt: wir sind Freunde.
    Wir schälen die Zeit aus den Nüssen und lehren sie gehn:
    die Zeit kehrt zurück in die Schale.
    Im Spiegel ist Sonntag,
    im Traum wird geschlafen,
    der Mund redet wahr.
    Mein Aug steigt hinab zum Geschlecht der Geliebten:
    wir sehen uns an,
    wir sagen uns Dunkles,
    wir lieben einander wie Mohn und Gedächtnis,
    wir schlafen wie Wein in den Muscheln,
    wie das Meer im Blutstrahl des Mondes.
    Wir stehen umschlungen im Fenster, sie sehen uns zu von der Straße:
    es ist Zeit, daß man weiß!
    Es ist Zeit, daß der Stein sich zu blühen bequemt,
    daß der Unrast ein Herz schlägt.
    Es ist Zeit, daß es Zeit wird.
    Es ist Zeit.


    Paul Celan gilt als schwer verständlich, in „Die Gedichte“, einer neuen „kommentierten Gesamtausgabe“ (Suhrkamp) ist jedes einzelne Gedicht Celans mit Anmerkungen versehen, die die nicht sofort durchschaubaren Worte erklären. Celan berühmtestes Gedicht ist sicherlich „Todesfuge“, es thematisiert mit lyrischen Mitteln den millionenfachen Mord an den Juden in der Nazizeit. Auch Celans Eltern waren unter den Opfern.