Der Literaturkalender 2022, edition momente

Texte und Bilder aus der Weltliteratur zum Thema "Momente der Erinnerung" 

 Erinnerungen sind Haltepunkte im Leben. Ob es nun das Haus der Kindheit ist oder ein unvergesslicher Sonnenuntergang am Meer. Manchmal ist ein besonders schöner Moment gemeint, manchmal ein sehr trauriger, aber immer einer, über den man nachdenken mag. Das Thema des „Neuen“ umfasst wieder die faszinierende Bandbreite des gesamten Lebens, und wie sich bedeutende Schriftsteller und Lyriker zu „Momenten der Erinnerung“ geäußert haben, das steckt voller Überraschungen und macht diesen Kalender, der schon lange ein Klassiker ist, so besonders.

 Auf einem der Januar-Kalenderblätter wird Simone de Beauvoir (1908-1986) zum Beispiel wie folgt zitiert: „ … ich kroch in die Höhlung unter dem Schreibtisch und hockte dort, in Finsternis gehüllt. Es war dunkel, es war warm, und das Rot des Moquetteteppichs stach mir lebhaft in die Augen. So verging meine allererste Zeit. Ich schaute, tastete und machte in warmer Geborgenheit Bekanntschaft mit der Welt.“

Ein Zitat der Schriftstellerin aus ihrer Autobiografie „Memoiren einer Tochter aus gutem Hause“. Beauvoir wuchs in einem großbürgerlichen Haus am Boulevard Raspail in Paris auf.

 Die amerikanische Erzählerin und Friedensaktivistin Grace Paley (1922-2007) wird auf einem der Dezember-Blätter zitiert, erinnert sich an ihre „harmlos heitere Kindheit“ in der Bronx in New York und an einen Ausspruch ihrer Mutter in den 30er Jahren: „Ich erinnere mich, wie meine Mutter am Tisch Zeitung las. Offensichtlich hatten die Nazis gewonnen, und Hitler war an der Macht... Meine Mutter sagte zu meinem Vater: 'Schau Zenia, es beginnt wieder.' Die Worte 'es beginnt wieder' haben mir mein Leben lang in den Ohren geklungen. 'Es beginnt wieder.' Die Angst, die in diesen Worten zu hören ist.“

Die Angst der Eltern habe sie fortan begleitet, sagte die Schriftstellerin in einem Interview. Grace Paleys jüdische Eltern waren aus der Urkraine eingewandert.

 Und so gibt es für jede der 52 Kalenderwochen ein literarisches Fundstück, ergänzt durch ein außergewöhnliches Foto – wie das Coverfoto von 1949, das (von li. nach re.) Truman Capote, Jane und Paul Bowles in fröhlicher Stimmung in Tanger zeigt. Die authentischen Zitate aller 52 Literaten stammen aus Autobiografien, Briefen und Erinnerungen und widmen sich in jedem Jahr einem neuen Thema. Marguerite Duras, Thomas Mann, Per Olov Enquist , Heinrich Heine, Peter Härtling, Martha Gellhorn gehören mit ihren „Momenten der Erinnerung“ zu der illustren Auswahl für 2022.

Für Freunde der Literatur wird das ein jeweils inspirierender Wochenbeginn werden, auch weil biografische Texte und Bildinformationen die Auswahl ergänzen und die Reihenfolge im Kalender vom jeweiligen Geburtstag der berühmten Frau oder des berühmten Mannes bestimmt wird. So, auf diese sorgfältige und fundierte Weise, handhaben das die Herausgeber Elisabeth Raabe (Textauswahl), Regina Vitali (Fotoauswahl) und Max Bartholl (Gestaltung) seit 35 Jahren – da freut man sich zu hören, dass ihr Literaturkalender jetzt den Kalenderpreis des Deutschen Buchhandels bekommen hat – in der Kategorie: Bester Longseller.

P.S. edition momente bringt auch einen Musik-Kalender, einen Küchen-Kalender und einen Kinder-Kalender (mit internationaler Kinder-Lyrik) heraus.